Gemeindebriefdruckerei Friedrich Druckerei

 

Im Gemeindebrief "nicht einfach drauflos schreiben"

Nicht einfach drauflos tippen: Wer einen Artikel schreibt, sollte sich eine klare Textstruktur überlegt haben.
Nicht einfach drauflos tippen: Wer einen Artikel schreibt, sollte sich eine klare Textstruktur überlegt haben.

Das Wichtigste muss nach vorne. Wertvolle Tipps für Gemeindebrief-Redakteure gibt Oscar Tiefenthal, Leiter der Evangelischen Journalistenschule in Berlin. Im Interview zeigt er typische Anfängerfehler auf und nennt die wichtigsten Grundregeln für Gemeindebrief-Macher.

Über das Gemeindeleben gibt es viel zu erzählen – und viel zu schreiben. Aber wie? In den Gemeindebriefen tummeln sich die unterschiedlichsten Stilformen: Von der klassischen Terminankündigung des nächsten Bläserwochenendes bis hin zur liebevollen Laudatio auf den verdienten Küster der Gemeinde, der sein 25-jähriges Dienstjubiläum feiert. Jeder Artikel, jeder Text sollte eine klare Struktur besitzen, empfiehlt der Leiter der Evangelischen Journalistenschule in Berlin, Oscar Tiefenthal. Er verweist im Interview auf einen klassischen Anfängerfehler der Autoren: Die wichtigsten Informationen werden gerne im Text versteckt. Dabei gehören sie an den Anfang des Artikels.
 

Die Profis zeichnet vor allem Erfahrung, der tägliche Umgang mit Texten und Geschichten aus. Was können die ehrenamtlichen Gemeindebrief-Redakteure vom Praktiker lernen?

Oscar Tiefenthal: Der Laie sollte zuerst versuchen, Struktur in seine Texte zu bringen. Da kann er viel vom Praktiker lernen. Profis schreiben nicht einfach drauf los. Sie gehen geordnet an jede Geschichte, an jeden Auftrag heran. Er sollte sich, bevor er anfängt zu arbeiten, genau überlegen: Für wen mache ich das? Wen möchte ich in meine Geschichte einbinden? Das exakte Planen zeichnet den Profi aus. Nicht das rasche Loslegen.

Texte schreiben hat etwas mit Handwerk zu tun. Welche Grundregeln würden Sie einem engagierten, neuen Gemeindebrief-Redakteur als Erstes vermitteln?

Man sollte sich tatsächlich einen genauen Plan ausfertigen und dabei folgende Fragen stellen: Wie bereite ich mein Thema vor? Mit wem möchte und muss ich sprechen? Welche Informationen sind essenziell? Wie will ich den Artikel optisch "verkaufen"? Denn es ist nicht nur wichtig, einen guten Text zu formulieren. Der Beitrag muss auch eine ansprechende Form besitzen, um sich zu einer runden Sache entwickeln zu können.

Gemeindebriefredaktionen haben oft mit Fremdtexten zu tun. Wie mutig darf der Redakteur redigieren? Wo liegen die Grenzen bei Änderungen?

Zunächst: Man möchte ja verhindern, dass die Autoren von Fremdtexten sich blamieren. Daher muss man eingreifen, wenn offensichtliche Fehler vorliegen. Man darf auch einhaken, wenn vorher festgelegte Textlängen übermäßig gesprengt werden. Man darf nicht inhaltlich die Intention eines Schreibers komplett umdrehen. In jedem Fall ist auch Rücksprache mit dem Autor zu halten.

Stichwort "Learning by doing": Ihre Tipps für die ersten Schritte eines neuen Redaktionsmitglieds?

Der Gemeindebrief-Schreiber sollte seine Gemeinde schon sehr gut kennen. Und wenn das nicht der Fall ist, sollte er sie kennenlernen. Das ist für mich das A und O. So verhält es sich auch in den Lokalredaktionen der Tageszeitungen: Jeder Redakteur muss das Berichts- oder Themengebiet ausgezeichnet kennen. Die wichtigen Akteure einer Gemeinde sind natürlich nicht nur im Kirchenvorstand anzutreffen. Sie sind auch in der Diakonie zu finden, in Gemeindekreisen, Kindertagesstätten oder in der Kirchenmusik.

Die häufigsten Fehler, die Autoren immer wieder begehen?

Ein klassischer Anfängerfehler: Wichtige Informationen im Text verstecken. Im Feuer der Arbeit neigt man gerne dazu, die Hauptinformation in den letzten Absatz zu packen. Grundlegende Hinweise gehören an den Anfang und sollten vollständig und glasklar zu überblicken sein – und nicht erst im dritten, vierten Absatz.

Homepage vs. Gemeindebrief: Welche Sprache kommt bei den Menschen besser an?

Man kann das eine machen, ohne das andere zu lassen. Der Gemeindebrief, der im Briefkasten landet, erfüllt nach wie vor eine überaus wichtige Funktion. Ich selbst freue mich sehr über jede Ausgabe meines Gemeindebriefs: Er ermöglicht mir einen Zugang zur Gemeinde, den ich mir nur selten dadurch erschließe, dass ich die Homepage dieser Kirche aufrufe. Dazu müsste ich erst den Computer starten – der Gemeindebrief liegt aber bereits griffbereit im Briefkasten.

Welche Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten empfehlen Sie den ambitionierten Autoren?

Es gibt zahlreiche Angebote: Von den Volkshochschulen bis hin zu sehr qualifizierten Institutionen wie der Evangelischen Medienakademie in Düsseldorf. Dort kann man selbstverständlich nicht nur die Fertigkeit des Schreibens erlernen, sondern viel mehr: Dazu zählen unter anderem die Erstellung eines kleinen Radiobeitrags oder der Aufbau einer Homepage.

Sie bilden Journalisten für die Praxis aus. Was muss ein Bewerber mitbringen, um an der Journalistenschule bestehen zu können?

Er sollte eine Affinität zu sozialen Fragen, zu Religion und Gesellschaft haben. Er sollte zudem ein fundiertes Allgemeinwissen besitzen und möglichst ein abgeschlossenes Studium mitbringen. Und er sollte sich nicht erst mit Medien beschäftigen, wenn er bei uns startet. Diverse Praktika bei Print, Hörfunk oder TV setzen wir voraus.
 

 Oscar Tiefenthal leitet die Evangelische Journalistenschule in Berlin
 

gemeindebrief.de

Erstellt am: 20.08.2010

Brauchen Sie weitere Hilfe für Ihren Gemeindebrief? Zahlreiche Fotos und Grafiken finden Sie in unserer Bilddatenbank  Jetzt ausprobieren!

Gemeindebriefdruckerei