Gemeindebriefdruckerei

Aufgepasst: Der Gemeindebrief im Internet

Bei einer Online-Version des Gemeindebriefs ist einiges zu beachten
Licht und Schatten: Eine Online-Version des Gemeindebriefs hat Vor- und Nachteile

Den Gemeindebrief noch mehr Leserinnen und Lesern zugänglich zu machen, ist ganz einfach. Einfach eine PDF-Datei ins Internet stellen. Doch ist das wirklich sinnvoll? Und was ist dabei zu beachten? Unser Profitrick zum Thema: Der Gemeindebrief im Netz.

Freiheit für die Leser

Zuverlässig wie seit zig Jahren landet mein Gemeindebrief im Briefkasten. Doch der Dauerregen hat aus dem guten Stück im leider nicht mehr ganz taufrischen Briefkasten einen unansehnlichen Pappmachéklumpen gemacht. Oder die Katze war mal wieder schneller und hat ihn zu vielen kleinen Zettelchen verarbeitet. Oder ich bin mal wieder auf Dienstreise. Oder ich will eine Geschichte der vorletzten Ausgabe nachlesen, doch dieser Gemeindebrief ist natürlich längst beim Altpapier.

Bei Situationen wie diesen freuen sich die Leserinnen und Leser, wenn sie online auf die Gemeindenachrichten zurückgreifen können. Ein schöner Service, wenn alle Gemeindebriefausgaben schön sortiert im Internetauftritt der Gemeinde zum Herunterladen bereitstehen. Technisch ist dies überhaupt kein Problem. Aus den Daten des gestalteten Hefts wird ein niedrigauflösendes PDF geschrieben und im Internetauftritt in Sekundenschnelle hochgeladen. Schon sind alle glücklich. Oder der Ärger fängt jetzt richtig an.

Online-Recherche macht es leichter

Wer schnell etwas wissen will, verlässt sich heute auf Google und Wikipedia. Die Informationen sind aktuell, langes Blättern im Brockhaus entfällt und zermürbendes Suchen in Bibliotheken ist Geschichte. Schlechte Erfahrungen mit Online-Recherchen haben hingegen einige promovierte Prominente gemacht. Den nun ehemaligen Doktoren wurden in faszinierender Einfachheit gravierende Urheberrechtsverstöße in ihren Promotionen nachgewiesen. Zwar taten sich von Guttenberg & Co mit dem unerlaubten Abkupfern fremder Werke leicht, doch den Nachweis zu führen, war dank Internet ebenso simpel. Steht Ihr Gemeindebrief erst mal online, so finden ihn Ihre Leser genauso einfach wie Menschen, die Rechtsverstößen nachgehen oder Unsinn anstellen wollen.

Urheberrechtsfalle Internet

Wer Fotos, Grafiken und Texte abdruckt, muss die Urheberrechte beachten. Was jemandem anderen gehört, darf ich nicht einfach nehmen und nutzen. Vor dem Abdruck muss ich fragen und gegebenenfalls dafür zahlen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Verstöße können teuer werden. Noch teurer kann es werden, wenn das Druckwerk zusätzlich im Internet publiziert wird.

Ein reales Beispiel: Eine Gemeinde hat in ihrem Gemeindebrief ein Bild verwendet, für das sie keine Nutzungsrechte hatte. In hochauflösender Qualität haben die Redakteure im Internet ein schönes Motiv gefunden. Kopieren, einfügen, fertig. Im gedruckten Gemeindebrief hätte den Urheberrechtsverstoß wahrscheinlich nie jemand bemerkt. Doch Anwälte haben das PDF im Internet entdeckt. Der Gemeinde flatterte ein Brief ins Haus mit der Aufforderung, dies zu unterlassen. Kostenpunkt: 2.000 Euro. Das PDF wurde vom Internetauftritt entfernt und das Geld überwiesen. Kurze Zeit später jedoch erneut ein Brief von derselben Kanzlei. Dieses Mal wurde eine höhere Summe fällig. Das PDF wurde zuvor von irgendjemand kopiert und tauchte an anderer Stelle im Internet wieder auf. Die Gemeinde war erneut haftbar.

Wer im Internet publiziert, muss sich bewusst sein, dass Inhalte einfach kopiert werden können. Was damit im Netz geschieht, weiß niemand. Eine Kontrolle über weitere Nutzungen ist nicht möglich. Und so kann sich ein kleiner leicht zu einem großen Verstoß multiplizieren.

Sensible Persönlichkeitsrechte

Digitale Fotos können kopiert, woanders verwendet und verändert werden. Das ist zwar illegal, doch was tatsächlich mit Bildern im Netz geschieht, ist weder zu steuern, noch zu kontrollieren. Stellen Sie sich vor, Sie machen eine schöne Fotoreportage über Ihre Jugendfreizeit. Die Einwilligungserklärungen zur Veröffentlichung haben Sie natürlich vorher von den Eltern eingeholt.

Fröhliche Teenies am Baggersee. Abgedruckt in der Septemberausgabe des Gemeindebriefs ahnt niemand Schlimmes. Der Gemeindebrief wandert mit den Fotos in Ihren Internetauftritt. Irgendjemand kopiert die Fotos dort und veröffentlicht sie irgendwo im weltweiten Netz. Dieselben Mädchen, in derselben Kleidung, aber in völlig anderem Zusammenhang. Das wollte niemand. Nun ist dies aber nicht mehr zu reparieren.

Fingerspitzengefühl ist immer notwendig, wenn es um die Veröffentlichung von Fotografien von Menschen geht. Doch bevor Sie ein Foto im Internet veröffentlichen, sollten Sie doppelt über die Bildauswahl nachdenken. Zudem hat der Fotografierte mit seiner Zustimmung zur Veröffentlichung seines Fotos im Gemeindebrief noch nicht automatisch der Veröffentlichung im Internet zugestimmt!

Datenschutz beachten

Im Gemeindebrief veröffentlichen Sie möglichweise personenbezogene Daten von Jubilaren. Kein Problem, solange Sie den Gemeindebrief an die evangelischen Haushalte Ihrer Gemeinde verteilen. Doch mit dem PDF im Internet publizieren Sie nicht mehr nur in Ihrer Gemeinde. Die Rechtslage hat sich mit dem einfachen Mausklick verändert. Nun müssen Sie jeden Einzelnen um die Zustimmung zur Veröffentlichung bitten.

Das Hochladen des PDFs kann noch andere unangenehme Folgen haben. Ihr Gemeindebrief erscheint jetzt plötzlich nicht mehr lokal beschränkt auf Ihren Ort. Sie publizieren nun weltweit. Für Fotos, die Sie von Bildagenturen erwerben, kann dies eine Erhöhung der Kosten für die Abdruckrechte bedeuten.

Und auch Ihr Grafiker kann die Hand aufhalten. Eine Gemeinde hat mir ihr Leid geklagt: Der mit der Gestaltung des Gemeindebriefs beauftragte Grafiker hat auf der Homepage das PDF entdeckt. Er stellt erhöhte Honorarforderungen, weil nun nicht nur eine regionale, sondern eine weltweite Nutzung seiner Gestaltung gegeben ist. Die Anständigkeit des Grafikers ist das eine. Doch wenn die Nutzung nicht sauber geklärt ist, kann diese Forderung rechtens sein.

Dietmar Hauber

Erschienen in: Gemeindebrief 06/2011

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